WER LÖFFELT DIE SUPPE AUS?

Wer vordrängelt, ist etwa genauso gesellschaftsuntauglich wie der, der seine Spuren nach dem Grossen Geschäft in der Schüssel hinterlässt. Beim Vordrängeln entstehen zwar keine unsauberen Gerüche, dafür ein umso fieserer Nachgeschmack. Aber ja, Herr und Frau Vordrängler haben es natürlich sonderlich eilig. Auf Verluste kann keine Rücksicht genommen werden.

 

Oh sehet her, es gibt etwas umsonst!

Man begegnet ihnen überall: an der Kasse, am Skilift, an der Bar, vor dem Sprungbrett in der Badi, beim Bäcker nebenan, im Fitnessstudio, bevor der Gruppenkurs losgeht. Und natürlich in ganz besonders grossen Haufen dann, wenn es etwas gratis gibt. Sehr geschätzt werden diejenigen, die sich am Buffet bereits die zweite Portion holen, bevor der Rest überhaupt seine erste ergattern konnte. Zu beobachten ist dieses unsittliche Verhalten vorzugsweise in den Ferien. Zwar All inclusive gebucht, dennoch der Futterneid und die Angst, leer auszugehen, riesig gross.

 

Die Rücksichtslosen sind die Suppe, die niemand auslöffeln will

Die Gesellschaft, so scheint es, besteht nur noch aus zwei Komponenten. Das sind die Rücksichtslosen und die Rücksichtsvollen. Aus den beiden Zutaten ist ein undefinierbarer, geschmackloser Brei geworden. Die Rücksichtsvollen sind die armen Brocken im Brei, die aufpassen müssen, um nicht zu versaufen. Und die Rücksichtslosen sind die Suppe, die niemand auslöffeln will. Ist da tatsächlich einer namens Gott, der die Menükarte geschrieben hat? Dann eine Bitte nach oben, setze doch noch ein paar abwechslungsreiche Zutaten auf die Karte. Oder komm mal selbst nach unten und beobachte die Szenerie von Nahem, dann wirst du verstehen.

 

Zu schade, hat es mehr Suppe als Brocken

Vielleicht ist das aber auch genau so gewollt und der da oben hat absichtlich nur die beiden einfachsten Zutaten zusammengelegt. Er hat nur vergessen, die Rezeptur zu gewichten. Wovon wie viel hat er uns überlassen. Zu schade, hat es mehr Suppe als Brocken und ertrinken die Brocken allmählich. Eine Tragödie, wie sie kein Geschichtenschreiber besser kreieren könnte. Man wird zurückblicken und den Kopf darüber schütteln, dass es die Menschheit nicht zu mehr gebracht hat als zu einem unappetitlichen Brei, der der Erde nicht gut bekommt.

 

Es grüsst

Lex van Ikon

Schwarzmalerin

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Kommentare: 3
  • #1

    mary (Montag, 02 April 2018 17:22)

    so zimli de hammer,die gschicht!scharf u spitzfindig beobachtet u rhetorisch top gschribe. bi gspannt uf mi us dinere fädere

  • #2

    Lennart Cole (Freitag, 20 April 2018 15:13)

    Es ist mir eine Freude, Deine Beiträge zu lesen. Wir folgen uns schon auf Twitter. Kommende Woche werde ich mehr Zeit haben und mir alle Beiträge durchlesen. Liebe Grüße Lennart Cole

  • #3

    Lex van Ikon (Samstag, 21 April 2018 11:48)

    Lieben Dank, Mary und Lennart, für eure Rückmeldungen. Ich freue mich sehr. Auch, dass du, Lennart, und ich uns verknüpft haben über Social Media. Ich kann das Kompliment nur zurückgeben. Auch mir ist es eine Freude, deine Beiträge zu lesen. Unsere beiden Weltanschauungen scheinen sich eindrücklich zu decken.

    Es grüsst,
    Lex van Ikon
    Schwarzmalerin