DIAGNOSE: AUGENPHOBIE. UND WELCHE FURCHT PLAGT EUCH?

Das Augenlicht ist, wenn ihr mich fragt, eine der wichtigsten Körperfunktionen überhaupt. Einen lieben Dank für dieses Geschenk. Das Auge an sich ist für mich aber Fluch und Segen zugleich, denn ich habe eine Augenphobie, wie ich sie selbst gerne nenne. Dr. Google habe ich zwar noch nicht konsultiert, um zu erfragen, ob es die «Augenphobie» überhaupt gibt. Da ja aber sogar eine Angst vor Löchern kursiert, die Trypophobie, wird es bestimmt auch für meine Furcht einen ausgeklügelten Fachausdruck geben, den sich die Götter in Weiss überlegt haben.

 

Wie das traurige Ding aus «The Ring»

Nun, ich habe also panische Angst, wenn etwas nah an mein Auge rückt. Angst vor Verletzung, Zerplatzen oder Auslaufen des Augapfels (ich weiss, da mute ich euch Grenzwertiges zu vom Ekelfaktor her, aber da müsst ihr jetzt durch). Sogar mein eigener Finger wird im Moment des Grauens zu diesem traurigen Ding aus dem Horrorfilm «The Ring», das keuchende Geräusche flötend aus dem Brunnen und direkt auf einen zu kriecht. Nur, dass mein Finger eigentlich kein verlumptes weisses Nachthemd und ungepflegtes, langes schwarzes Haar trägt. Aber egal, was zählt, ist das Sinnbild.

 

Kontaktlinsen? Ein Furz Doris Leuthards vor versammeltem Parlament ist wahrscheinlicher

Und so ist es mit meiner Augenphobie äusserst unwahrscheinlich, dass ich jemals Kontaktlinsen tragen werde. Denn auch da käme mein Finger meinem Auge gefährlich nah, ja müsste es sogar berühren. Das versammelte Schweizer Parlament hat grössere Chancen, den Gesichtsausdruck der Bundesrätin Doris Leuthard nach einem unfreiwillig entwichenen Furz zu sehen als mich mit Kontaktlinsen.

 

«20-Jährige reisst sich im Drogenrausch die Augen aus.»

Wenn wir schon bei dir, Doris, sind: Kannst du als Service-Public-Verantwortliche bitte veranlassen, dass bestimmte Meldungen verboten werden? «20-Jährige reisst sich im Drogenrausch die Augen aus.» Das Mädchen hatte offenbar das Gefühl, von Gott dazu berufen zu sein: «Also schob ich Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger in beide Augen. Ich packte beide Augäpfel, drehte und zog, bis beide Augen aus der Höhle sprangen.» Igitt hoch 10! Das könnt ihr mir nicht antun. Wie abstossend bitte ist die Welt?

 

Der Augenarzt hegt Selbstmordgelüste

Beim Augenarzt muss es mir mit meiner Augenphobie so ergehen wie anderen mit einer Zahnarztphobie beim Zahnarzt. Mein Augenarzt hat bei der letzten Untersuchung jedenfalls recht verständnislos dreingeblickt, als er es nicht schaffte, seine Foltergeräte in Richtung meiner Augen zu steuern. Das tat mir schon beinahe leid – nicht nur für mich, auch für ihn. Ist er doch Augenarzt geworden, um nicht wie der Zahnarzt zu enden, der wegen gequälter Patienten die Berufsgattung darstellt, die die grössten Selbstmordgelüste hegt.

Erzählt mir doch gerne auch von euren seltsamen Phobien. Denn wir wissen ja: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

 

Es grüsst

Lex van Ikon

Schwarzmalerin

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Kommentare: 2
  • #1

    thesandcooler (Dienstag, 08 Mai 2018 13:31)

    meine liebe, das ist mal wieder ganz wunderbar und zauberhaft formuliert. du bist eine ganz tolle wort-zauberin! vielen herzlichen dank!

  • #2

    Lex van Ikon (Donnerstag, 10 Mai 2018 13:41)

    Ach, du Guter! Danke vielmals, thesandcooler.

    Ich freue mich ungemein, dass dir meine Geschichten gefallen.

    Wir hören uns bald wieder auf Twitter.

    Herzlich,
    Lex van Ikon