TRÄUME ERZÄHLEN UNS VOM WIRKLICHEN LEBEN

Im Traum begegne ich einem Esel. Der Esel wird in diesem Augenblick von einem Menschen gequält. Der Mensch reisst grässlich am Halfter des Esels und grinst dabei höhnisch; er freut sich über das «Ich bin stärker»-Spiel.

 

Ich eile zum ängstlich wiehernden Esel, zeige dem Menschen den Mittelfinger, befreie den Esel aus der Schikane, lege meine Arme schützend um seinen Hals und meinen Kopf dicht an dicht an seinen.

 

Ich kann seinen warmen, nach Heu riechenden Atem spüren und befürchte, dass er jeden Moment zubeissen wird. Aus Rache – oder aus Angst. Doch er beisst nicht zu. Vielmehr schaut er mich aus weichen, traurigen, liebevollen Augen an und schenkt mir sein grösstes Vertrauen. 

 

Das war nur ein Traum von letzter Nacht. Aber er sagt alles über das Tier aus. Das Tier kann sich zwar oft nicht wehren oder sich selbst aus einer misslichen Lage befreien, weil der Mensch vermeintlich stärker ist und ihm diese Möglichkeit dank seiner beiden Daumen nehmen kann. Aber findet ihr nicht auch, dass das Tier genau darum dem Menschen um Weiten überlegen ist?

 

Gute Nacht!

Es grüsst

Lex van Ikon

Schwarzmalerin

 

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