WANN GEBEN DIE GEDANKEN ENDLICH MAL RUHE?

Gedanken, diese kleinen blöden Mistkerle. Spielen sich auf, als wären sie ein Orchester mit 300 Mann/Frau, sind aber nicht mehr als viele kleine verlorene Fürze im Wind. Ja, diese Kunst beherrscht auch dein Hirn ganz gut, nicht wahr? Es häuft Gedanken an und diese überschlagen sich. Es sind so viele auf einmal. Viele kleine verlorene Fürze im Wind.

 

Die olle Drehorgel

Abschalten wollen, nicht abschalten können, abschalten wollen, nicht abschalten können. Eine alte Drehorgel, die das Stück von immer Neuem spielt. Dir kommt ein Gedanke, du spinnst ihn bis ins letzte Detail aus, kommst zu keinem plausiblen Schluss und beginnst, ihn von vorne zu denken. Den Gedanken ausgeliefert sein – die Lage so hoffnungslos wie die einer Fliege, die der Spinne ins Netz gegangen ist. Dabei solltest du die Spinne sein und deine Gedanken die Fliege. Das System hat seine Ordnung verloren.

 

Mit Gedanken Berge versetzen

Wenn doch in deinem Kopf schon nur für einmal Ruhe herrschte. Das Idyll einer verlassenen Bergalp mit nichts als Natur- und Tierlauten. Das würdest du dir wünschen? Ich mir auch. Ich wünschte mir, unser Mathelehrer von damals, Herr Begré, zu sein. Und meine Gedanken wären meine Schüler. Betrat Begré den Raum, standen die Schüler in Reih und Glied auf und salutierten dem Lehrer gefügig, bevor sie sich stramm und stumm auf ihre Stühle niederliessen und dem Lehrer die Bühne räumten.

 

Viele Stimmen, viel Wirrwarr

Wann haben wir alle damit begonnen, so viel zu denken? Wann hat die Endlosspirale sich zum ersten Mal in Bewegung gesetzt? Und viel wichtiger: Wann hört sie auf, sich zu drehen? Ja stimmt, eine Endlosspirale hat kein Ende. Kipp doch um, du dummes Ding!
Vor lauter Gedanken lässt sich kein einzelner richtig klarer mehr fassen. Viele Stimmen, viel Wirrwarr. Und all die Stimmen sind die eigenen, die ängstlich schreien, wütend toben oder resigniert in sich einsacken. Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, Versagensängste.

 

Nebenwirkung der heutigen Zeit

Schon möglich, dass das eine Nebenwirkung der heutigen Zeit ist. Eine Nebenwirkung des ständigen um die Wette Laufens, des Leistungsdrucks, des Vergleichens, des lauten, schnellen Lebens. Diese Welt, sie lässt uns keinen Raum zum Atmen und Denken. Tief einatmen, in den Bauch: Ich weiss nicht, wie das geht. Du? Bauch, Kopf, Herz – ständig am Rattern, Hadern und mit oder gegeneinander am Kämpfen. Bauch gibt Herz ein warnendes surrend-kribbelndes Zeichen, Herz übernimmt widerwillig, wird schwer, klopft hart und gibt an Kopf ab. Kopf wiegt Gedanken hin und her und kommt zu keinem Schluss. Bauch überfordert, Herz überfordert, alles landet im Kopf, Kopf überfordert. So geht das. Jeden Tag. Jede Stunde. Jede Minute. Jede Sekunde.


Kopf aus – ach wenn es diese eine Taste gäbe!

 

Es grüsst

Lex van Ikon

Schwarzmalerin

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