AUSGEBREMST – EIN WORT ZUM VERZWEIFELN

In der Lehre nannten sie mich Feedy. Der Name leitete sich ab von Speedy Gonzales. Schon damals wusste mein Umfeld, dass Mensch sich davor hüten sollte, mich auszubremsen. Es gibt da Dinge, die sich so konstant wiederholen wie die Bürde eines Huhns etwa, täglich ein Ei zu gebären. Und von solchen Dingen will ich euch erzählen. Sie bringen mich, und bestimmt nicht nur mich, in Rage …

 

Im Menschengetümmel eines Bahnhofs

Du geduldest dich auf der Rolltreppe eines von menschlichen Wesen überlaufenen Bahnhofs. Der Blick starr nach oben zur Lichtung gerichtet hast du nur eines im Sinn: oben geschwind nach links abbiegen, ab nach Hause und diesem Menschengetümmel deinen Rücken zukehren. Du verfluchst den Bauingenieur, der eine Gehtreppe bei der Planung als unwichtig abtat.

 

Oben angekommen kommt alles ganz anders

Die Frau unmittelbar vor dir auf der Rolltreppe verwandelt sich abrupt in einen grossen breiten Pflock, der fix verankert mitten im Weg pfeilt – ausgebremst! Hinter ihr die Sintflut, noch eine Sekunde länger Pflock sein und die ganze Truppe wirft sich gezwungenermassen wie Dominosteine rückwärts.

 

Ähnliches Szenario, genauso eklig

Wie ein Gladiator kämpfst du dich durch die Berner Bahnhofsunterführung. Brust raus, Schultern breit, das Gesicht zu einer gefährlichen Fratze verzogen. Nur ein Ziel: raus da und den Pendlerströmen entkommen – ausgebremst!

Der Mensch vor dir muss sich dringend und just in diesem Moment inmitten allen Verkehrs orientieren, bleibt stehen, schweift mit seinem Blick gemütlich oben über die Anzeigetafeln und denkt nicht im Geringsten an sein Gefolge. Du als einer seiner Nachzügler kannst von Glück und einem funktionierenden Reaktionssinn reden, wenn du es schaffst, die Balance zu halten.

 

«Ausgebremst», nicht nur für die Schnellen unter uns ein Wort zum Verzweifeln.

 

Es grüsst
Lex van Ikon
Schwarzmalerin

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonnenschein (Freitag, 05 Oktober 2018 15:08)

    Wau, du sprichst meine Gedanken aus. Wie oft habe ich mich ebenfalls in so einer Situation befunden. Diese egoistische Art einfach immer nur an einen selbst zu denken, nervt einfach!

    Spannend deine Kurzgeschichten und eine Freude diese ebenfalls mit einem Schmunzeln zu lesen, mach weiter so! Bin schon auf die nächsten Geschichten sehr gespannt.

  • #2

    Lex van Ikon (Samstag, 13 Oktober 2018 15:00)

    Guten Morgen Sonnenschein :-)

    Ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Das ist es, wofür ich schreibe. Ihr Leser sollt euch in meinen Erzählungen wiederfinden. Schön, gibt es da draussen so viele Gleichgesinnte – ich freue mich sehr, dich zu meinen Lesern zählen zu dürfen. Danke sehr!

    Auf dass die Sonne in deinem Herzen immer scheinen möge,
    Lex van Ikon