DAS MOOR RUFT

Das Zürcher Unterland: ein bezauberndes Fleckchen Erde. Und zufälligerweise lag dort bis vor Kurzem mein Arbeitsort Neerach. Sagt euch nichts? Dann gehört ihr zu den 99%, die mich fragend anglotzen, wenn ich ihnen meinen letzten Arbeitsort verrate. Wie, Lerach? Merach? Nerach? Neerach genau, mit zwei «e». Neerach zeichnet sich aus durch viel Fluglärm, tiefe Steuern und ein mannigfaltiges Naturreich. Das Neeracherried ist eines der grössten Moore der Schweiz und auf jeden Fall einen Besuch wert. Ihr alle seid herzlich eingeladen, sofern ihr euch zu benehmen wisst.

 

Müsst ihr denn Gottfried Stutz immer den Motor laufen lassen?

Im Moor begegnet man so einigem. Neben ganz viel Grün auch allerlei Unvernünftigem wie einer flach gepressten, unsachgemäss entsorgten Desperado-Büchse oder einer pinken Papiertüte des Dorfbäckers Fleischli – nein, zu diesem Namen äussere ich mich absolut gar nicht, obwohl es mich heftig juckt. Man trifft aber auch solches an, das eindeutig ins Ried gehört: Milane, Libellen, Tüpfelsumpfhühner, Frösche, Blindschleichen, Kiebitze; und ja natürlich, auch immer mal wieder den Menschen. Er sticht auffällig aus dem Idyll heraus. Beispiele gefällig? Ein Paar: ER bleibt in seinem SUV – klimatisiert, da der Motor an bleibt MITTEN IN DER NATUR – während SIE mit Hundi in der brütenden Mittagshitze eine Runde kriecht. Oder die taffen Jungs, die mit ihren frisierten Piaggio Ciao stolz durchs Ried brettern.

Dagegen bewegt sich ja ein Rehkitz rabiater

Ein seltsames, aber harmloses Volk auch die vielen Walker. Von Letzt, das war nicht schlecht: ich beim Mittagsspaziergang bergauf kommen mir zwei Walkerinnen entgegen. «Grüessech». Es drängt sich die Frage auf, ob es sich beim Tun der Ladys tatsächlich um Sport handeln kann; da bewegt sich ja ein Rehkitz, das seine ersten Schritte tut, rabiater. Unten an der Waldkreuzung erhasche ich die beiden Walkerinnen erneut, diesmal dicht vor mir in die gleiche Richtung zielend. Die Situation ist heikel: In meinem Bürodress muss ich die beiden «Sportlerinnen» überholen. Auf gleicher Höhe schenke ich den beiden ein beschämtes Lächeln. «Jetzt wärfet sich aber Frage uf, wenn Sie so schnäll sind.» Wem sagen Sie das gute Frau, wem sagen Sie das …

 

Es grüsst

Lex van Ikon

Schwarzmalerin

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